1.Korintherbrief

Der neue Leib bei der Auferstehung!

Der neue Leib bei der Auferstehung!

1.Korinther 15, 35–49

“Es kön­nte aber jemand fra­gen: Wie wer­den die Toten aufer­ste­hen und mit was für einem Leib wer­den sie kom­men? Du Narr: Was du säst, wird nicht lebendig, wenn es nicht stirbt. Und was du säst, ist ja nicht der Leib, der wer­den soll, son­dern ein bloßes Korn, sei es von Weizen oder etwas anderem. Gott aber gibt ihm einen Leib, wie er will, einem jeden Samen seinen eige­nen Leib. Nicht alles Fleisch ist das gle­iche Fleisch, son­dern ein anderes Fleisch haben die Men­schen, ein anderes das Vieh, ein anderes die Vögel, ein anderes die Fis­che. Und es gibt himm­lis­che Kör­p­er und irdis­che Kör­p­er; aber eine andere Her­rlichkeit haben die himm­lis­chen und eine andere die irdis­chen. Einen andern Glanz hat die Sonne, einen andern Glanz hat der Mond, einen andern Glanz haben die Sterne; denn ein Stern unter­schei­det sich vom andern durch seinen Glanz. So auch die Aufer­ste­hung der Toten. Es wird gesät ver­wes­lich und wird aufer­ste­hen unver­wes­lich. Es wird gesät in Niedrigkeit und wird aufer­ste­hen in Her­rlichkeit. Es wird gesät in Arm­seligkeit und wird aufer­ste­hen in Kraft. Es wird gesät ein natür­lich­er Leib und wird aufer­ste­hen ein geistlich­er Leib. Gibt es einen natür­lichen Leib, so gibt es auch einen geistlichen Leib. Wie geschrieben ste­ht: Der erste Men­sch, Adam, »wurde zu einem lebendi­gen Wesen« (1.Mose 2,7), und der let­zte Adam zum Geist, der lebendig macht. Aber der geistliche Leib ist nicht der erste, son­dern der natür­liche; danach der geistliche. Der erste Men­sch ist von der Erde und irdisch; der zweite Men­sch ist vom Him­mel. Wie der irdis­che ist, so sind auch die irdis­chen; und wie der himm­lis­che ist, so sind auch die himm­lis­chen. Und wie wir getra­gen haben  das Bild des irdis­chen, so wer­den wir auch tra­gen das Bild des himm­lis­chen.”

Nach den exis­ten­ziellen Argu­menten, nach dem per­sön­lichen Zeug­nis, nach der Kon­fronta­tion mit den prak­tis­chen Kon­se­quen­zen, wen­det sich Paulus nun ein­er anderen Frage zu. Es ist eine Frage, die Men­schen immer wieder stellen, wenn sie von der Aufer­ste­hung des Leibes hören. Eine Frage, die vernün­ftig klingt, aber eine Frage, die aus Unglauben oder zumin­d­est aus Unver­ständ­nis kommt.

„Es kön­nte aber jemand fra­gen: Wie wer­den die Toten aufer­ste­hen und mit was für einem Leib wer­den sie kom­men?” (1. Korinther 15,35). Die Frage ist dop­pelt. Erstens: Wie geschieht die Aufer­ste­hung? Welch­er Mech­a­nis­mus, welch­er Prozess, welch­es Geschehen bringt die Toten zurück ins Leben? Zweit­ens: Mit was für einem Leib? Ist es der­selbe Leib, der gestor­ben und ver­west ist? Oder ist es ein ander­er Leib? Und wenn es ein ander­er Leib ist, wie hängt er mit dem alten Leib zusam­men? Das sind legit­ime Fra­gen. Sie zeigen, dass die Men­schen in Korinth nicht ein­fach blind­gläu­big waren, son­dern nach­dacht­en, hin­ter­fragten, ver­ste­hen woll­ten. Aber Paulus’ Antwort ist zunächst über­raschend scharf: „Du Narr!” (1. Korinther 15,36). Die Antwort des Paulus – „Du Narr!“ – zeigt, dass die Apos­tel klare Worte sprachen, nicht um jeman­den abzuw­erten oder zu belei­di­gen, sondern um geistliche Blind­heit aufzudeck­en. Paulus greift nicht zur Beschimp­fung, son­dern zur geistlichen Diag­nose. Er nen­nt den Fra­gen­den „aphron“ – unver­ständig, ohne Ein­sicht –, weil die Frage selb­st offen­bart, dass der Men­sch die Wirk­lichkeit Gottes nur mit den Kat­e­gorien dieser Welt misst. Wer die Aufer­ste­hung mit rein irdis­ch­er Logik erk­lären will, hat das Entschei­dende noch nicht begrif­f­en.

Und genau hier wird der Kon­trast zu unser­er Zeit sicht­bar. Heute würde man für solche Worte ver­mut­lich eine Anzeige riskieren. Manche Chris­ten wür­den sich empört abwen­den und sagen: „So etwas darf man nicht sagen. Gott ist Liebe.“ Doch ger­ade weil Gott Liebe ist, spricht er die Wahrheit; auch wenn sie scharf ist. Liebe ver­schweigt nicht, was uns zer­stört. Liebe duldet nicht, dass wir in falschen Vorstel­lun­gen ver­har­ren. Liebe ruft zur Umkehr, nicht zur Selb­st­bestä­ti­gung. Die Apos­tel wussten: Wer geistlich schläft, braucht keinen san­ften Applaus, son­dern einen Weck­ruf. Und manch­mal klingt ein Weck­ruf wie: „Du Narr!“ – nicht um zu ver­let­zen, son­dern um aufzurüt­teln, damit der Men­sch endlich sieht, was Gott vor seinen Augen tut.

Paulus sagt: „Was du säst, wird nicht lebendig, wenn es nicht stirbt” (1. Korinther 15,36). Paulus ver­weist auf ein alltäglich­es Phänomen, das jed­er ken­nt, der jemals etwas gepflanzt hat. Ein Samen muss in die Erde gelegt wer­den. Er muss dort liegen, muss schein­bar ster­ben, muss verge­hen, damit etwas Neues entste­hen kann. Wenn man einen Weizenko­rn in der Hand behält, bleibt es ein Weizenko­rn. Es verän­dert sich nicht, es wächst nicht, es bringt keine Frucht. Erst wenn man es in die Erde legt, wenn man es sozusagen aufgibt, wenn man es loslässt, geschieht das Wun­der: Es keimt, es wächst, es bringt neue Frucht. Das Ster­ben des Samens ist die Voraus­set­zung für neues Leben. Ohne Tod keine Aufer­ste­hung, ohne Verge­hen kein neues Wer­den. Das gilt für die Natur, und das gilt auch für die Aufer­ste­hung der Toten. Der Leib muss ster­ben, muss in die Erde gelegt wer­den, muss ver­we­sen, damit der Aufer­ste­hungsleib entste­hen kann.

Und genau hier zeigt sich ein schmer­zlich­er Wider­spruch unseres heuti­gen Christ­seins. Viele Chris­ten sagen, sie wollen zu Chris­tus; aber sie wollen nicht ster­ben. Sie sehnen sich nach dem Him­mel, aber sie klam­mern sich an die Erde. Sie reden von der Ewigkeit, aber sie hän­gen mit aller Kraft am Vergänglichen. Und so tun sie alles, was medi­zinisch, tech­nisch oder organ­isatorisch möglich ist, um dieses Leben um jeden Preis zu ver­längern. Nicht aus Dankbarkeit für das Leben, son­dern aus Angst vor dem Ster­ben. Doch wer so lebt, zeigt, dass er die Logik des Samens nicht ver­standen hat. Chris­tus ruft uns nicht dazu auf, das Leben leicht­fer­tig wegzuw­er­fen; aber er ruft uns dazu auf, es nicht zu vergötzen. Das tägliche Ster­ben bedeutet nicht, den Tod zu suchen, son­dern Chris­tus zu ver­trauen. Es bedeutet, das Leben nicht festzuhal­ten wie ein Besitz, son­dern es hinzugeben wie einen Samen, der in Gottes Hand Frucht bringt. Wer das Leben um jeden Preis behal­ten will, ver­liert es. Wer es Chris­tus anver­traut, gewin­nt es – jet­zt und in Ewigkeit.

Und Paulus fährt fort: „Und was du säst, ist ja nicht der Leib, der wer­den soll, son­dern ein bloßes Korn, sei es von Weizen oder etwas anderem” (1. Korinther 15,37). Hier liegt der entschei­dende Punkt. Was man sät, ist nicht das, was wächst. Man sät ein kleines, hartes, unschein­bares Korn. Was wächst, ist eine Pflanze, mit Halm und Blät­tern und Ähren. Das Korn und die Pflanze sind nicht iden­tisch im Sinne von völ­lig gle­ich. Aber sie sind auch nicht völ­lig ver­schieden. Es gibt Kon­ti­nu­ität und Diskon­ti­nu­ität zugle­ich. Die Kon­ti­nu­ität: Die Pflanze kommt aus dem Korn. Sie ist nicht etwas völ­lig Fremdes, son­dern die Entwick­lung, die Ent­fal­tung, die Ver­wirk­lichung dessen, was im Korn angelegt war. Die Diskon­ti­nu­ität: Die Pflanze sieht ganz anders aus als das Korn. Sie ist größer, kom­plex­er, her­rlich­er. Man würde nicht auf den ersten Blick sehen, dass sie aus diesem kleinen Korn gekom­men ist.

„Gott aber gibt ihm einen Leib, wie er will, einem jeden Samen seinen eige­nen Leib” (1. Korinther 15,38). Das ist der the­ol­o­gis­che Kern. Es ist Gott, der den neuen Leib gibt. Es ist nicht ein natür­lich­er Prozess, der automa­tisch abläuft. Es ist nicht Evo­lu­tion, nicht Entwick­lung im biol­o­gis­chen Sinne. Es ist Schöp­fung, Neuschöp­fung, göt­tlich­es Han­deln. Gott gibt jedem Samen den Leib, der zu ihm gehört, der ihm entspricht, der aus ihm wer­den soll. Das bedeutet: Die Aufer­ste­hung ist nicht mech­a­nisch, nicht vorher­sag­bar, nicht kalkulier­bar. Sie ist Gottes sou­veränes Han­deln. Er entschei­det, wie der Aufer­ste­hungsleib sein wird. Aber seine Entschei­dung ist nicht willkür­lich. Er gibt jedem Samen seinen eige­nen Leib. Es gibt eine Entsprechung, eine Angemessen­heit, eine innere Logik. Aus Weizen wächst Weizen, nicht Ger­ste. Aus einem men­schlichen Leib wird ein men­schlich­er Aufer­ste­hungsleib, nicht etwas völ­lig anderes.

Paulus will damit sagen: Die Aufer­ste­hung ist eben­so indi­vidu­ell wie schöpferisch. Gott gibt jedem Men­schen einen Aufer­ste­hungsleib, der wirk­lich zu ihm gehört – nicht als Kopie des alten Leibes, aber auch nicht als etwas völ­lig Fremdes. So wie ein Same und die daraus wach­sende Pflanze zusam­menge­hören und doch nicht iden­tisch sind, so ver­hält es sich auch mit unserem jet­zi­gen Leib und dem kom­menden Leib. Der Aufer­ste­hungsleib ist nicht ein­fach eine „Reparatur“ des alten Kör­pers, son­dern eine Neuschöp­fung, die aus dem Alten her­vorge­ht und doch unendlich darüber hin­aus­ge­ht. Gott selb­st entschei­det, wie dieser Leib sein wird – und weil er der Schöpfer ist, wird dieser Leib vol­lkom­men zu unser­er Iden­tität passen, zu dem Men­schen, den Gott in Chris­tus vol­len­det. Das macht die Aufer­ste­hung nicht unver­ständlich, son­dern wun­der­bar: Sie ist kein biol­o­gis­ch­er Automa­tismus, son­dern ein per­sön­lich­es Werk Gottes an jedem Einzel­nen.

Paulus führt nun mehrere Analo­gien an, um die Vielfalt und Ver­schieden­heit der Leib­lichkeit zu zeigen: „Nicht alles Fleisch ist das gle­iche Fleisch, son­dern ein anderes Fleisch haben die Men­schen, ein anderes das Vieh, ein anderes die Vögel, ein anderes die Fis­che” (1. Korinther 15,39). Es gibt ver­schiedene Arten von Leib­lichkeit, alle von Gott geschaf­fen, alle ihrer Art entsprechend, aber ver­schieden. Ein Men­sch hat anderes Fleisch als ein Tier, ein Vogel anderes als ein Fisch. Sie sind alle leib­lich, aber ihre Leib­lichkeit ist jew­eils anders gestal­tet. „Und es gibt himm­lis­che Kör­p­er und irdis­che Kör­p­er; aber eine andere Her­rlichkeit haben die himm­lis­chen und eine andere die irdis­chen” (1. Korinther 15,40). Die Ver­schieden­heit reicht über die irdis­che Schöp­fung hin­aus. Es gibt himm­lis­che Kör­p­er – die Gestirne, Sonne, Mond, Sterne – und irdis­che Kör­p­er. Bei­de haben Her­rlichkeit, aber eine unter­schiedliche Her­rlichkeit. Das griechis­che Wort doxa bedeutet Her­rlichkeit, Glanz, Pracht, Schön­heit. Jedes Geschöpf hat seine eigene Her­rlichkeit, die ihm entspricht.

„Einen andern Glanz hat die Sonne, einen andern Glanz hat der Mond, einen andern Glanz haben die Sterne; denn ein Stern unter­schei­det sich vom andern durch seinen Glanz” (1. Korinther 15,41). Sog­ar inner­halb der himm­lis­chen Kör­p­er gibt es Unter­schiede. Die Sonne leuchtet anders als der Mond. Die Sterne unter­schei­den sich voneinan­der. Jed­er hat seinen eige­nen Glanz, seine eigene Her­rlichkeit. Das ist keine Hier­ar­chie im Sinne von bess­er oder schlechter, son­dern Vielfalt, Fülle, Reich­tum der Schöp­fung. Was will Paulus mit diesen Analo­gien sagen? Er will zeigen, dass Gott fähig ist, ver­schiedene Arten von Leib­lichkeit zu schaf­fen, dass Leib­lichkeit nicht auf eine einzige Form fest­gelegt ist, dass es dur­chaus möglich ist, dass der Aufer­ste­hungsleib anders ist als der irdis­che Leib und doch ein echter, wirk­lich­er, leib­lich­er Leib.

„So auch die Aufer­ste­hung der Toten” (1. Korinther 15,42). Nun wen­det Paulus die Analo­gie des Samens direkt auf die Aufer­ste­hung an. Was fol­gt, ist eine Rei­he von Gegen­sätzen, die den Unter­schied zwis­chen dem irdis­chen Leib und dem Aufer­ste­hungsleib beschreiben.

„Es wird gesät ver­wes­lich und wird aufer­ste­hen unver­wes­lich” (1. Korinther 15,42). Der irdis­che Leib ist ver­wes­lich, vergänglich, sterblich. Er altert, wird schwach, erkrankt, stirbt, ver­west. Das ist die Real­ität, die jed­er ken­nt. Der Aufer­ste­hungsleib ist unver­wes­lich. Er unter­liegt nicht mehr dem Ver­fall, der Zer­set­zung, dem Tod. Er ist dauer­haft, beständig, ewig.

„Es wird gesät in Niedrigkeit und wird aufer­ste­hen in Her­rlichkeit” (1. Korinther 15,43). Der irdis­che Leib ist niedrig, unschein­bar, begren­zt. Er hat Würde, gewiss, aber er ist auch beschränkt, ver­wund­bar, schwach. Der Aufer­ste­hungsleib wird in Her­rlichkeit aufer­ste­hen. Er wird teil­haben an der doxa, an der Her­rlichkeit Gottes. Er wird leucht­en, strahlen, schön sein in ein­er Weise, die den irdis­chen Leib über­trifft.

„Es wird gesät in Arm­seligkeit und wird aufer­ste­hen in Kraft” (1. Korinther 15,43). Der irdis­che Leib ist arm­selig, schwach, kraft­los. Das griechis­che Wort astheneia bedeutet Schwach­heit, Gebrech­lichkeit, Kraft­losigkeit. Der Leib ermüdet, hungert, dürstet, friert, schmerzt. Er ist begren­zt in sein­er Leis­tungs­fähigkeit. Der Aufer­ste­hungsleib wird in Kraft aufer­ste­hen. Er wird nicht mehr den Beschränkun­gen unter­liegen, die den irdis­chen Leib bes­tim­men. Er wird voller Energie, voller Leben, voller Kraft sein.

„Es wird gesät ein natür­lich­er Leib und wird aufer­ste­hen ein geistlich­er Leib” (1. Korinther 15,44). Das ist der zen­trale Gegen­satz. Der irdis­che Leib ist ein natür­lich­er Leib – wörtlich ein psy­chis­ch­er Leib, ein Leib, der von der psy­che, der Seele, dem natür­lichen Leben beseelt ist. Der Aufer­ste­hungsleib ist ein geistlich­er Leib – ein Leib, der vom pneu­ma, vom Geist Gottes, durch­drun­gen und bes­timmt ist. Das Wort „geistlich” darf hier nicht missver­standen wer­den. Es bedeutet nicht imma­teriell, nicht kör­per­los, nicht unkör­per­lich. Ein geistlich­er Leib ist nicht weniger leib­lich als ein natür­lich­er Leib. Er ist sog­ar mehr leib­lich, weil er die Fülle der Leib­lichkeit ver­wirk­licht, die Gott intendiert hat. Er ist geistlich in dem Sinne, dass er vom Geist Gottes geprägt ist, dass er gehorcht, dass er durch­sichtig ist für Gottes Gegen­wart, dass er Werkzeug und Aus­druck des Geistes ist.

Ein Blick auf die Aufer­ste­hung Jesu selb­st macht das noch deut­lich­er. Auch bei Jesus war der Aufer­ste­hungsleib der­selbe – und doch völ­lig ver­wan­delt. Maria Mag­dale­na erkan­nte ihn zunächst nicht im Garten; erst als er sie beim Namen rief, gin­gen ihr die Augen auf. Die Jünger auf dem Weg nach Emmaus gin­gen stun­den­lang mit ihm, hörten seine Stimme, spürten seine Gegen­wart – und doch erkan­nten sie ihn erst beim Brechen des Brotes. Jesus war nicht ein Geist, nicht eine Vision, nicht eine Ein­bil­dung. Er aß mit ihnen, zeigte seine Wun­den, ließ sich berühren. Und den­noch war er nicht mehr an die Gren­zen des alten Leibes gebun­den: Er erschien in ver­schlosse­nen Räu­men, ver­schwand vor ihren Augen, war gegen­wär­tig in ein­er Weise, die der alte Leib nicht kan­nte. Genau das meint Paulus mit „geistlich­er Leib“: ein Leib, der real, greif­bar, iden­tisch ist – und doch durch­drun­gen vom Geist Gottes, frei von Vergänglichkeit, frei von Schwach­heit, frei von den Begren­zun­gen des alten Lebens. Jesu Aufer­ste­hungsleib ist das Muster, die Vorschau, die Ver­heißung dessen, was auch wir emp­fan­gen wer­den.

„Gibt es einen natür­lichen Leib, so gibt es auch einen geistlichen Leib” (1. Korinther 15,44). Die Logik ist ein­fach: Wenn Gott eine Art von Leib­lichkeit geschaf­fen hat, kann er auch eine andere Art schaf­fen. Wenn es einen natür­lichen Leib gibt, der für das irdis­che Leben geeignet ist, dann kann es auch einen geistlichen Leib geben, der für das himm­lis­che Leben geeignet ist. „Wie geschrieben ste­ht: Der erste Men­sch, Adam, wurde zu einem lebendi­gen Wesen, und der let­zte Adam zum Geist, der lebendig macht” (1. Korinther 15,45). Paulus zitiert 1.Mose 2,7, wo Gott den Men­schen aus Staub formt und ihm den Leben­satem ein­bläst, so dass er ein lebendi­ges Wesen wird. Adam wurde ein psy­chis­ches Wesen, ein Wesen mit natür­lichem Leben, mit Seele, mit Bewusst­sein. Aber er war sterblich, begren­zt, dem Ver­fall unter­wor­fen. Der let­zte Adam – das ist Chris­tus – ist etwas anderes. Er ist nicht nur ein lebendi­ges Wesen, son­dern Geist, der lebendig macht. Er hat nicht nur Leben, er gibt Leben. Er ist nicht nur beseelt, er ist die Quelle des geistlichen Lebens. Durch seine Aufer­ste­hung ist er zum lebendig­machen­den Geist gewor­den, der andere in sein Aufer­ste­hungsleben hinein­nimmt.

„Aber der geistliche Leib ist nicht der erste, son­dern der natür­liche; danach der geistliche” (1. Korinther 15,46). Die Rei­hen­folge ist wichtig. Gott hat zuerst den natür­lichen Leib geschaf­fen, dann den geistlichen. Zuerst Adam, dann Chris­tus. Zuerst das Irdis­che, dann das Himm­lis­che. Das ist nicht Zufall, son­dern göt­tliche Ord­nung. Gott führt seine Schöp­fung vom Anfänglichen zum Vol­len­de­ten, vom Vor­läu­fi­gen zum Endgülti­gen, vom Irdis­chen zum Himm­lis­chen. „Der erste Men­sch ist von der Erde und irdisch; der zweite Men­sch ist vom Him­mel” (1. Korinther 15,47). Adam ist aus Erde gemacht, ist irdisch in seinem Ursprung und seinem Wesen. Das ist nicht neg­a­tiv gemeint, aber es zeigt seine Begren­zung. Chris­tus, der zweite Men­sch, ist vom Him­mel. Er ist nicht aus Erde gemacht, son­dern von Gott gesandt. Er gehört nicht primär der Erde an, son­dern dem Him­mel. Er bringt das Himm­lis­che ins Irdis­che hinein.

„Wie der irdis­che ist, so sind auch die irdis­chen; und wie der himm­lis­che ist, so sind auch die himm­lis­chen” (1. Korinther 15,48). Hier wird die Zuge­hörigkeit, die Teil­habe deut­lich. Alle Men­schen sind zunächst wie Adam: irdisch, vergänglich, sterblich. Sie tra­gen das Bild des Irdis­chen. Aber die, die zu Chris­tus gehören, wer­den wie er sein: himm­lisch, unvergänglich, unsterblich. Sie wer­den das Bild des Himm­lis­chen tra­gen. „Und wie wir getra­gen haben das Bild des irdis­chen, so wer­den wir auch tra­gen das Bild des himm­lis­chen” (1. Korinther 15,49). Das ist Ver­heißung und Hoff­nung. Wir haben das Bild Adams getra­gen – den vergänglichen, schwachen, sterblichen Leib. Aber wir wer­den das Bild Christi tra­gen – den ver­her­rlicht­en, kraftvollen, unvergänglichen Leib. Das ist nicht Wun­schdenken, son­dern Gewis­sheit, gegrün­det auf die Aufer­ste­hung Christi, wenn wir daran glauben und den Ver­heißun­gen der Heili­gen Schrift fes­thal­ten.

Die Trans­for­ma­tion ist voll­ständig. Es ist nicht nur eine Reparatur des alten Leibes, nicht nur eine Wieder­her­stel­lung, nicht nur eine Heilung. Es ist eine radikale Ver­wand­lung, eine Neuschöp­fung, ein Über­gang von ein­er Art der Leib­lichkeit zu ein­er anderen. Und doch gibt es Kon­ti­nu­ität. Es ist der­selbe Men­sch, dieselbe Per­son, dieselbe Iden­tität. Aber in ein­er neuen, ver­her­rlicht­en, vol­len­de­ten Gestalt. Das ist die Antwort auf die Frage: „Wie wer­den die Toten aufer­ste­hen und mit was für einem Leib wer­den sie kom­men?” Sie wer­den aufer­ste­hen durch Gottes schöpferische Kraft. Und sie wer­den kom­men mit einem Leib, der anders ist als der irdis­che Leib – unver­wes­lich statt ver­wes­lich, her­rlich statt niedrig, kraftvoll statt schwach, geistlich statt natür­lich – und doch ein echter, wirk­lich­er, leib­lich­er Leib. Ein Leib, der dem himm­lis­chen Leben entspricht, wie der irdis­che Leib dem irdis­chen Leben entsprach. Ein Leib nach dem Bild Christi, des Aufer­stande­nen, des lebendig machen­den Geistes.

Diese Vision gibt dem Leben neue Per­spek­tive. Der irdis­che Leib ist nicht wert­los, aber er ist vor­läu­figEr ist der Samen, aus dem der Aufer­ste­hungsleib wächst. Wie man lebt, wie man den Leib behan­delt, hat Bedeu­tung, nicht weil dieser Leib ewig ist, son­dern weil er der Aus­gangspunkt für die Aufer­ste­hung ist. Was gesät wird, das wird aufer­ste­hen – ver­wan­delt, ver­her­rlicht, vol­len­det, aber nicht aus­gelöscht. Die Iden­tität bleibt, die Per­son bleibt, aber in ein­er neuen, unvergänglichen Her­rlichkeit.

Ehre sei Gott allein, dem Ursprung und Ziel unseres Weges. Amen.

Published by BBECK